England-Partnerschaft

 

Lange waren sie erwartet worden, die englischen Freundinnen und Freunde aus Ferryhill, und dann war alles doch wieder sooooo schnell vorbei!

Die Tage waren ausgefüllt, die wir mit unseren Partnern und die Partner mit uns verbracht haben. Superpünktlich kam am 25.10.2008 der Bus aus Ferryhill an, obwohl es zu Beginn der Reise eine Verzögerung gegeben hatte, weil die Schließautomatik der Türen nicht in Ordnung war. Daher hatte man in der Nacht – eine Stunde von Ferryhill entfernt – eine geschlagene Stunde auf die Ankunft eines Ersatzbusses warten müssen, mit dem Ergebnis, dass nun am Samstag um 14:45 Uhr ein riesiger Doppeldeckerbus mit 34 englischen Gästen im Alter zwischen drei und 77 Jahren, 25 freien Plätzen und „the two best drivers ever, ever, ever!!!“ bei uns vor dem Gemeindehaus in der Lutherstraße einlief.

Die Gastgeber waren zur Stelle oder kamen kurz darauf, und so stand dem Begrüßen, Umarmen, Erzählen und was man sonst noch so alles tut, wenn alte gute Freunde sich wiedersehen, nichts mehr im Wege. Und auch zwischen den Wenigen, die sich nicht schon aus anderen Begegnungen kannten, aber nun als Gäste und Gastgeber die nächsten Tage miteinander verbringen sollten, war das Eis schnell gebrochen oder vielmehr: war die erste Schüchternheit schnell verflogen. Abends, nachdem alle sich eingerichtet hatten, kamen Gäste und Gastgeber zu einem schönen „wellcomeevening“ im Gemeindehaus Lutherstraße zusammen, bei dem, fast wie aus dem Nichts, ein schönes buntes Mitbring-Buffet zustande kam. Besonderes Durchhaltvermögen bewiesen die Kinder – etwa ein Drittel der Gruppe waren Kinder und Jugendliche –,  die sich trotz der langen Fahrt im Bus noch beinahe unermüdlich im Jugendzentrum area 51 vergnügten.

Da war es dann ganz gut, dass der Partnerschaftsgottesdienst am nächsten Morgen erst um 11 Uhr Auf dem Wege stattfand, so dass alle doch wenigstens einigermaßen ausgeschlafen waren. Lesungen auf deutsch und englisch, Lieder in beiden Sprachen, eine Predigt, die der englische Partner-Pfarrer Keith Lumsdon gewohnt souverän auf deutsch hielt, das Abendmahl, das wir als Evangelische (Reformierte) und als Anglikaner in ganz selbstverständlicher Nähe miteinander feiern konnten – alles das machte den Gottesdienst zu einem schönen, berührenden und intensiven Zeichen unserer gegenseitigen Verbundenheit. Der Nachmittag gehörte dann dem Miteinander von Gastgebern und Gästen, bevor sich fast alle um 18 Uhr wieder zum LukullTour – Konzert mit Liedern von Astor Piazolla in der Friedenskirche und anschließend zum LukullTour – Buffet um Gemeindehaus trafen.

Am Montag ging es dann weiter mit dem „official part“, nämlich dem Empfang im Bezirksamt Rheinhausen durch die Bezirksbürgermeisterin Frau Katharina Gottschling, die in ihrer Begrüßung der Gäste aus Ferryhill ihrer großen Freude über diese Partnerschaft Ausdruck gab. Danach fuhren alle zum Mittagessen nach Gut Heimendahl, wo nach einer sehr gehaltvollen und leckeren Suppe Herr von Heimendahl, „the old farmer“, wie er sich selber nannte, in englischer Sprache die Besonderheiten der Landwirtschaft dieses Gutes erklärte: ökologisches Wirtschaften, Direktvermarktung, tiergerechte Haltung, Zucht und Pflege alter Nutztierrassen und Nutzpflanzen. Ein besonderes Highlight für die Kinder war der Besuch im Stall der zum Gut gehörenden Reitschule. Anschließend fuhren wir zu einem kleinen Spaziergang in das nahe gelegene Städtchen Kempen, das zum Entzücken der Kinder „so many toy-shops“ aufwies, wie man nie zu hoffen gewagt hatte – mit den entsprechenden Folgen für die Geldbeutel der erziehungsberechtigten Erwachsenen …

Gleich noch einmal Shoppen stand auf dem Programm am nächsten Tag, für den ein Ausflug nach Köln geplant war. Der erste Tagesordnungspunkt in Köln war allerdings der Besuch des Schokoladenmuseums, der von Kindern und Jugendlichen dringend gewünscht worden war und der besonders durch den Schokoladenbrunnen und das Eintauchen von Waffeln in denselben zwecks anschließendem genussvollem Verzehr dieser Waffeln in guter Erinnerung blieb. Mit der Bimmelbahn ging es dann zum Dom, von wo aus die Erkundung Kölns, seiner zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel Kirchen, Geschäfte und nicht zuletzt Privatbrauereien starten konnte. Am Nachmittag um 16 Uhr waren dann alle wieder pünktlich am Bus und um erlebte Kunstgenüsse, Kleidungsstücke und die eine oder andere Geschmackserfahrung reicher. Für einig klang der Tag aus, nicht in einem „pub“, wie man das in England gemacht hätte, sondern in einer typischen Rheinhauser Eckkneipe beziehungsweise Gaststätte, und auch das war eine gute Erfahrung an diesem Tag.

Der nächste Morgen fand uns schon früh, nämlich um 9 Uhr im Neukirchener Erziehungsverein am Haus Elim, wo der Leiter des Erziehungsvereins, Pfarrer Hans-Wilhelm Fricke-Hein, einen alle Altergruppen ansprechenden Vortrag (natürlich auf englisch) über die Arbeit des Erziehungsvereins hielt. Dabei hatten die Kinder die begeistert genutzte Möglichkeit, eigene praktische Erfahrungen mit der Reittherapie zu machen, die sonst für die in den Einrichtungen des Erziehungsvereins betreuten Kinder und Jugendlichen angeboten wird, während die Erwachsenen diese Zeit ausgiebig dazu nutzen konnten, vertiefende Fragen zu stellen. Nach einem guten Mittagessen im Erziehungsverein war noch einmal die Gelegenheit, durch Moers zu bummeln, bevor der Tag – es war tatsächlich schon der letzte Abend des Partnerschaftsbesuches! – mit einem „farewellevening“, diesmal im Gemeindehaus Auf dem Wege und wieder mit Mitbring-Buffet, zu Ende ging. Als Gastgeschenk aus Ferryhill wird ein Ausschnitt  aus der Fensterrose der Kathedrale von Durham von nun an im Gemeindehaus Lutherstraße hängen, während ein Brocken Kohle von der Zeche Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort (Bergwerk West) die englischen Freunde in Zukunft an die gemeinsame Kohletradition erinnern wird. Gute Disco im TEMPEL, gute Begegnungen und gute Gespräche und nicht zuletzt auch die Aussicht auf ein mögliches Wiedersehen Anfang April 2009 in Paris haben uns allen den bevorstehenden Abschied ein bisschen erträglicher gemacht.

Dennoch war eine Menge Bedauern zu hören, dass die Zeit schon wieder um war. Alte Freundschaften sind gepflegt worden, neue Freundschaften sind dazu gekommen, und wie in einem großen Netz werden die Verbindungen zwischen den Menschen aus Ferryhill und aus Rheinhausen von Mal zu Mal, von Besuch zu Gegenbesuch, immer enger. Das ist sehr gut so!

Und natürlich gab es trotz der Aussicht auf baldiges Wiedersehen Tränen auf beiden Seiten, als wir am nächsten Morgen, Donnerstag, dem 30.10.2009, nach nicht ganz fünf Tagen wieder voneinander Abschied nahmen: nach einer kleinen Andacht in der Friedenskirche, zu der auch Frau Gottschling noch einmal gekommen war, und nach einer großen Runde, mit brennenden Kerzen in den Händen, auf dem Platz vor der Kirche. Es dauerte eine Weile, bis alle sich von allen verabschiedet hatten, aber schließlich fuhr der Bus dann ab, unter Winken und Taschentuch-Schwenken und auch noch manchem Tränchen.

Aber wir sehen uns ja wieder – hoffentlich bald!

 

Bleibt mir für diesmal nur noch, allen danke zu sagen, die mitgemacht haben:

Danke, und es war schön mit euch!

 

Beate Rosenbaum-Kolrep